english | français

Love Music – Hate Racism

Am Samstag, 28. Juli 2012 findet ab 16:30 Uhr ausgehend vom Riebeckplatz die Demonstration Love Music – Hate Racism statt. Wir rufen dazu auf, mitzutanzen und laut Stimmung gegen Alltagsrassismen und rassistische Gewalt zu machen!

Rassistische Gewalt? In meiner Stadt?

In den letzten drei Monaten hat die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt fünf rassistische Angriffe in Halle dokumentiert: Einen Angriff auf einen Jordanier an einer Straßenbahnhaltestelle Mitte April, die Attacke auf einen Mann aus Sierra Leone und seine Partnerin in der Straßenbahn Ende Mai oder die brutalen Überfälle auf einen weiteren Schwarzen Ende Mai und Mitte Juni im Stadtpark und auf der Peißnitz. Doch das ist nur ein kleiner Auszug dessen, was hier passiert. Zahlreiche weitere Vorfälle bleiben lediglich Randnotizen in der lokalen Presse oder gelangen gar nicht in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Rassistische Gewalt geht, ob physisch, psychisch oder strukturell, bei weitem nicht allein von Neonazis aus. Die Täter_innen sind nur allzu oft Menschen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft: Polizist_innen, die vornehmlich Schwarze nach Drogen kontrollieren, Familienväter und – mütter, die am Küchentisch über „die Ausländer“ herziehen; Weiße, die im Bus lieber nicht neben einem Schwarzen sitzen wollen oder sich als unpolitisch verstehende Deutsche, die Asylsushende zusammenschlagen. Dies zeigt sich auch in rassistischen Sondergesetzen.

Rassistisch? Wir doch nicht!

Rassismen sind wie andere menschenverachtende Ideologien tief in unserer Gesellschaft verankert. Sei es die von vermeintlichen politischen Vorbildern wie Thilo Sarrazin (SPD) angestoßene „Integrationsdebatte“, sei es die schamlose begriffliche Reduzierung der rassistischen Mordserie des NSU, die als „Dönermorde“ durch die Presselandschaft ging: Beides sind prominente Symptome für die deutsche Realität 2012 und für ein gesellschaftliches Klima, in dem Menschen in „Einheimische“ und „Fremde“ unterteilt werden. Wer „fremd“ ist, bestimmen weiße Deutsche dabei nicht (allein) am Pass. Biologistische Traditionen zeigen sich, wenn Erstaunen herrscht, dass ein Afrodeutscher aus Dresden mit sächsischem Akzent spricht oder wenn von in dritter Generation hier lebenden Familien erwartet wird, dass sie für‘s Schulfest typisch türkisch kochen. Konkret geht diese Unterteilung dann meist mit bestimmten Zuschreibungen einher: Dass „Japaner“ immer höflich sind, „Polen“ klauen, „Türken“ nach Knoblauch stinken und „Afrikaner“ ein tolles Rhythmusgefühl haben, ist vom Bau bis in den Hörsaal in allen gesellschaftlichen Schichten zu hören. Ob negativ oder angeblich positiv: Zuschreibungen zementieren Unterschiede, wo keine sind. Jede_r hat andere Talente, Fähigkeiten und Merkmale. Diese sind aber auf die individuelle Entwicklung der einzelnen Person zurückzuführen und lassen sich nicht durch eine konstruierte „Rassenzugehörigkeit“ erklären.

Und jetzt?

Diese Gesellschaft muss nicht so bleiben, wie wir sie aktuell vorfinden. Jede_r von uns gestaltet sie mit und kann sie verändern. Deshalb komme und tanze mit uns gemeinsam gegen Rassismen und für eine freie Gesellschaft ohne Ausgrenzungsmechanismen. Wir solidarisieren uns mit den Betroffenen der rassistischen Gewalttaten ebenso wie mit denjenigen, die tagtäglich mit den allgegenwärtigen Alltagsrassismen konfrontiert werden.

Gegen rassistische Ideologie und Gewalt muss vorgegangen werden. Ob in Behörden, am Stammtisch, in Schule/Uni/Beruf, im Sportverein oder auf der Straße!

 

Deshalb: Am 28. Juli 2012, 16:30 Uhr Riebeck-Platz
Aus der Reihe tanzen & Alltagsrassismen aufbrechen!